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Paradoxon

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Aktuelle Stimmung: antriebslos

Status: Betroffene/r & Angehörige/r

derzeitige Therapieform: ambulante Therapie

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Freitag, 3. Januar 2014, 12:07

Rezension: ...eigentlich will ich leben - Sandra Morgenstern

Titel: ... eigentlich will ich leben!
Autor: Sandra Morgenstern
ISBN-10: 3932361369
ISBN-13: 978-3932361364
Verlag: Pbreport, 2006
Rezension: Paradoxon

Die 16-jährige unter Panikattacken leidende Lisa, trifft in der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf die ebenfalls 16-jährige Diana, die ihr den Anfang auf der Station und den Einstieg in die Gemeinschaft erleichtert.
Lisa, still und zurückhaltend, freundet sich mit der temperamentvollen und fröhlichen Diana schnell an und lebt sich in der Klinik gut ein. Folgsam und aufgeschlossen erlebt sie die Therapeuten und Betreuer als Hilfe und Stütze. Der Umgang mit der Gruppe, die sie annimmt und versteht, tut ihr gut.
Die toughe Diana, äußerlich cool und immer für andere da, verbirgt ihr verletzliches Inneres fast perfekt, während es sie eigentlich quält. Um Herr über ihre Gefühle und schlimmen Erinnerungen zu werden, erleichtert sie sich durch Selbstverletzungen durch Messer und Schläge gegen sich selbst. Von Selbstmordgedanken begleitet und Versuchen der Grenzsetzungen der Betreuer unter Druck, gerät Diana in eine Spirale des Kräftemessens mit dem Personal. Ihren stummen Hilfeschreien begegnet dieses mit Verboten, Strafen und weiteren Druck, der sie an allem zweifeln lässt bis die Situation eskaliert. Hilfe annehmen, eine Fähigkeit, die Diana nicht besitzt, so trifft sie einen folgenschweren Entschluss...

Sandra Morgenstern begann im Alter von 16 Jahren mit dem Schreiben ihres Erstlingswerks, welches den Leser durch Sensibilität und Einfühlungsvermögen beeindruckt. Anschaulich beschreibt sie den Alltag in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik und überzeugt durch authentische Charaktere auf beiden Seiten: Patienten wie Pflegekräfte kommen glaubhaft und realistisch beim Leser an. Probleme und Situationen erwecken schnell den Eindruck im Geschehen dabei zu sein. Wecken Verständnis und lassen teilnehmen an Ängsten, Verzweiflung, Hoffnung und der Gemeinschaft auf der Station.
Die Autorin schafft es dem Leser eindrucksvoll zu vermitteln welchen Weg die Protagonisten bestreiten, wie ihre Gefühlswelt und das Erleben der Grenzen innerhalb ihrer Erkrankungen empfunden und oftmals nicht verstanden werden.

Fazit:
Ein fesselndes Buch für Jugendliche und auch Erwachsene, Betroffene, Angehörige und Interessierte, das den Leser an der Handlung teilhaben lässt ohne in Klischees oder Belehrungen abzurutschen.
Signatur von »Paradoxon«


Wo der Feuerberg loht, Glutasche fällt,
Sturmwogen die Ufer umschäumen,
Auf dir, du trotziges Ende der Welt,
Die Winternacht woll'n wir verträumen.
— Joseph Viktor von Scheffel —


Das Leben ist ein Kobayashi-Maru-Test...